Diesmal macht die EZB ihren Job
Das Jahr 2022 steckt auch der Europäischen Zentralbank (EZB) noch in den Knochen. Als der Ukraine-Krieg die Energiepreise hochschnellen ließ, hielt sie das zunächst für ein kurzlebiges Phänomen – um wenig später mit den stärksten Zinserhöhungen seit ihrer Gründung einer galoppierenden Inflation hinterherzurennen.
EZB-Chefin Christine Lagarde verteidigt das damalige Abwarten zwar bis heute, und die Federal Reserve in den USA machte auch keine bessere Figur. Aber das Vertrauen in die Zentralbank der Eurozone hat ohne Frage gelitten.
Das darf nicht wieder passieren – die EZB hat ihre Lektion gelernt: Auf die Preissteigerungen infolge des Iran-Kriegs reagiert sie nun mit der zweiten Erhöhung der Leitzinsen.
Der Schritt ist nötig, um die Teuerungsrate von immerhin rund drei Prozent im Zaum zu halten. Und er ist möglich, weil Europas Konjunktur ins Laufen kommt. Das Risiko, sie mit kleinen Zinserhöhungen abzuwürgen, ist aktuell gering. So wurde der Beschluss am Donnerstag zur Routine.
US-Kollegen kämpfen noch
Von Routine ist die US-Notenbank hingegen weit entfernt. Der Wechsel an der Fed-Spitze brachte Unruhe ins System, der neue Chef Kevin Warsh steht in der kommenden Woche vor seiner ersten großen Bewährungsprobe: Die Inflation spricht für eine Zinserhöhung, es gibt aber auch sachliche Argumente dagegen – und einen Präsidenten, der abseits aller Sachlichkeit Senkungen fordert.
Der ebenso ambitionierte wie qualifizierte Warsh hat seine Rolle bisher nicht wirklich gefunden. Er kämpft noch um Glaubwürdigkeit. Entsprechend ist die Unsicherheit über die nächste Zinsentscheidung so groß wie seit vielen Jahren nicht mehr.
Was auch immer Warsh und seine Kollegen am kommenden Mittwoch entscheiden: Es wird erklärungsbedürftig, umstritten und eine Herausforderung für die Finanzmärkte sein. Umso wichtiger ist es, dass die EZB souverän ihren Job macht.