Pioniere der Impfstoff-Forschung

Medizin-Nobelpreis geht an Wegbereiter der mRNA-Impfungen

Katalin Karikó (l.) und Drew Weissman, Preisträger des Japan-Preises 2022, halten ihre Trophäen während der Verleihung des Japan-Preises.

Stockholm. Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die in Ungarn geborene Forscherin Katalin Karikó und den US-Amerikaner Drew Weissman für Grundlagen zur Entwicklung von mRNA-Impfstoffen gegen Covid-19. Das teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit.

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„Durch ihre bahnbrechenden Resultate, die unser Verständnis davon, wie mRNA mit dem menschlichen Immunsystem interagiert, grundlegend verändert haben, trugen die Preisträger zu dem beispiellosen Tempo der Impfstoffentwicklung während einer der größten Bedrohungen für die menschliche Gesundheit in moderner Zeit bei“, hieß es vom Nobelkomitee.

„Mehrere andere Impfstoffe gegen Sars-CoV-2, die auf unterschiedlichen Methoden basieren, wurden ebenfalls rasch eingeführt, und insgesamt wurden weltweit mehr als 13 Milliarden Covid-19-Impfdosen verabreicht“, so das Komitee. „Die Impfstoffe haben Millionen von Menschen das Leben gerettet und bei vielen weiteren schwere Erkrankungen verhindert, sodass sich die Gesellschaften öffnen und zu normalen Bedingungen zurückkehren konnten.“

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Katalin Karikó, 1955 in Ungarn geboren, arbeitet derzeit an den Universitäten Pennsylvania (USA) und Szeged (Ungarn). Der 64-jährige Drew Weissman arbeitet an der Universität Pennsylvania (USA).

Biontech und Moderna brachten mRNA-Produkte auf den Markt

Die Corona-Impfstoffe des Mainzer Unternehmens Biontech und des US-Konzerns Moderna waren die ersten zwei mRNA-Produkte, die auf den Markt kamen. An der Technik bastelten Forscher jedoch schon vor mehr als 30 Jahren. Bereits Ende der 1980er-Jahre schleusten drei Wissenschaftler – Robert Malone, Phil Felgner und Inder Verma – mRNA mithilfe von Fetttröpfchen in angezüchtete Zellen ein und brachten diese dazu, das gewünschte Protein herzustellen.

Doch bald keimte die Gentechnik auf, in die viele Fördermittel flossen. Die damals in Ungarn forschende Katalin Karikó glaubte jedoch weiterhin an den Nutzen der mRNA für die Medizin. Sie blieb dem Molekül auch treu, als sie 1985 in die USA emigrierte.

Karikó arbeitete ohne Fördergelder auf sich selbst gestellt

Aus Mangel an Fördergeldern forschte Karikó im Labor zunächst weitgehend auf sich allein gestellt, ab 1998 auch mit Drew Weissman. Der entscheidende Durchbruch gelang dem Forschungsduo, als es einen Baustein der mRNA austauschte und die mRNA daraufhin nicht mehr in der Zelle abgebaut wurde. Die Versuchsmäuse produzierten das gewünschte Protein.

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Trotz weiterer Tiefschläge setzte Karikó ihren Weg fort und traf 2013 Ugur Sahin, der mit seiner Frau Özlem Türeci Biontech gegründet hatte. Er habe ihr noch am selben Tag einen Job angeboten, sagte Karikó der „New York Times“. Nach jahrelanger Zusammenarbeit hat sie das Unternehmen verlassen und ist seit Anfang Oktober 2022 nur noch dessen Beraterin.

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Mit der mRNA sei eine neue Substanzklasse für die Medizin verfügbar, sagte der Präsident des für Impfstoffe und Biomedizin zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Klaus Cichutek, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die mRNA in den Impfstoffen ist der Bauplan für ein Virusprotein. Dieses wird in einigen wenigen Körperzellen des Geimpften hergestellt. Das Immunsystem richtet sich dann gegen dieses Protein.

Als mögliche künftige Einsatzgebiete für mRNA sieht PEI-Präsident Cichutek unter anderem weitere präventive Impfstoffe wie etwa gegen Grippe, sowie Therapien gegen Krebs und Rheuma.

Nach Angaben des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller waren bis September 2023 weltweit fünf mRNA-Impstoffe gegen Covid-19 im Einsatz. Recht weit ist die Entwicklung demnach auch bei entsprechenden Impfstoffen gegen Grippe und gegen Zytomegalieviren, die zu den Herpesviren gehören.

Biontech gratuliert Nobelpreisträgern Karikó und Weissman

Der Impfstoffhersteller Biontech gratulierte der einige Jahre für das Mainzer Unternehmen arbeitenden Karikó sowie Weissmann. Ihre Arbeit sei wegbereitend gewesen und habe eine der wichtigen Innovationen für den mRNA-basierten Covid-19-Impfstoff von Biontech und Pfizer gebracht, teilte das Unternehmen am Montag in Mainz mit. „Wir schätzen Kati und Drew für ihre Leidenschaft, ihre Beharrlichkeit und ihr Engagement.“ Karikó ist noch immer als Beraterin für Biontech aktiv. Sie war dort von 2013 bis 2022 Senior Vice President für RNA-Protein-Ersatztherapien.

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Dieser Nobelpreis solle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der ganzen Welt daran erinnern, ihre Forschungsarbeit fortzusetzen und das volle Potenzial neuer Wirkstoffklassen auszuschöpfen, hieß es vom Unternehmen.

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Preise in Physik und Chemie folgen

Im Vorjahr ging die prestigeträchtige Auszeichnung an einen einzelnen Preisträger: Der in Leipzig arbeitende schwedische Evolutionsforscher Svante Pääbo wurde damit für seine bahnbrechenden Erkenntnisse zur menschlichen Evolution geehrt.

Mit der Bekanntgabe der Medizin-Nobelpreisträger wurde am Montagvormittag die diesjährige Nobelpreis-Saison eingeläutet. Seit der ersten Auszeichnung im Jahr 1901 haben insgesamt 225 Menschen den Medizin-Nobelpreis erhalten.

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Die Nobelpreis-Saison verläuft alljährlich nach demselben Muster: Nach der Kategorie Medizin stehen am Dienstag und Mittwoch die Preisbekanntgaben in Physik und Chemie an, dann folgt am Donnerstag der Literaturnobelpreis.

Am Freitag wird dann der diesjährige Friedensnobelpreisträger gekürt – das ist der Einzige der Nobelpreise, der nicht in der schwedischen Hauptstadt Stockholm, sondern in der norwegischen Hauptstadt Oslo bekannt gegeben wird. Zurück in Stockholm folgt dann am darauffolgenden Montag der Nobelpreis in der Kategorie Wirtschaftswissenschaften.

Sieger erhalten mehr Geld

Die Nobelpreise gehen auf das Testament des Dynamit-Erfinders und Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896) zurück. Sie sollen diejenigen ehren, die der Menschheit in den einzelnen Kategorien im vorangegangenen Jahr den größten Nutzen erwiesen haben. Die zeitliche Vorgabe beachten die Vergabe-Institutionen meist nicht so genau. Feierlich überreicht werden die Preise traditionell am 10. Dezember, dem Todestag von Nobel.

Die goldene Medaille ist nur ein Teil des Gewinns. Dazu kommt ein Preisgeld von rund 950.000 Euro.

Eines ist in diesem Jahr anders als in den Vorjahren: Das Preisgeld, das pro Kategorie ausgeschüttet wird, wurde von der Nobelstiftung um eine Million schwedische Kronen auf nun elf Millionen Kronen heraufgesetzt. Nach jüngstem Umrechnungskurs sind das rund 950.000 Euro.

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RND/cb/dpa

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